Die Idee
Schutzengel für junge Autofahrer
Fehlende Fahrpraxis, erhöhte Risikobereitschaft und der Einfluss von Drogen und Alkohol führen leider nach wie vor dazu, dass der Anteil der Verunglückten unter den jungen Autofahrern überproportional hoch ist. Jetzt starten Kreisverwaltung, Kreispolizeibehörde und Verkehrswacht gemeinsam ein neues Projekt, um die Zahl der Verkehrsunfälle mit jungen Fahrern zu reduzieren:
Leibhaftige Schutzengel gleichen Alters sollen auf die Zielgruppe der 18- bis 24-jährigen Fahrer positiv Einfluss nehmen. Das Projekt kommt nicht mit dem Zeigefinger daher, sondern macht sich den Einfluss der Freundinnen und Freunde zunutze, um flächendeckend ein gefahrenbewusstes Verhalten zu erreichen. Die Schutzengel sollen dafür sorgen, dass sich die jungen Fahrer nur nüchtern ans Steuer setzen und nicht rasen.
Landrat Sven-Georg Adenauer: "Um die Unfallzahlen zu reduzieren, müssen wir innovative Ideen aufgreifen und weiter entwickeln. Die Schutzengel sind ein besonders Erfolg versprechendes Projekt, für das wir bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen." Der Kreis Gütersloh ist der erste Kreis in Nordrhein-Westfalen, der ein Schutzengel-Projekt startet. Ziel des Projektes Schutzengel ist eine deutliche Reduzierung der Verkehrsunfälle unter Beteiligung junger Fahrer, insbesondere der Unfälle mit schweren oder sogar tödlichen Folgen.
Die Zahl der verunglückten Autofahrer in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen ist überproportional hoch und im Kreis Gütersloh besonders besorgniserregend: Im Jahr 2007 liegt der Kreis im NRW-Vergleich trotz intensiver Maßnahmen wie etwa Verkehrssicherheitstrainings mit 372 Verunglückten auf einem der letzten Plätze. Ziel ist es jetzt, die Zahl der verunglückten 18- bis 24-Jährigen um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. 40.000 potenzielle Schutzengel im Alter zwischen 16 und 24 Jahren gibt es Kreis Gütersloh. Gestartet wird mit einem direkten Anschreiben an alle 17- bis 21-Jährigen. "Die erste Welle", wie Projektleiter Michael Haftmann erklärt.
Das sind immerhin auch 23.000. Als Initiatoren haben Hans-Dieter Malsbender, Fachbereichsleiter Gesundheit und Ordnung, sowie Dr. Stefan Pfuff vom ADAC die Idee nach einem Besuch in Soltau-Fallingbostel in den Kreis geholt. "Es hat eine Menge Vorbereitungsarbeit erfordert", erinnert sich Malsbender an die einjährige Entwicklungszeit des Projekts. Vorbild aller deutschen Varianten ist das dänische Projekt Skytsengel (Schutzengel). In Soltau-Fallingbostel gingen dank der Schutzengel die Zahl der Unfalltoten und der Schwerverletzten deutlich zurück. Die klassischen Wege der Verkehrserziehung, beginnend in Kindergärten, Schulen bis hin zu Fahrschulen, sowie mahnende Worte von Eltern, Lehrern und Polizeibeamten brachten bisher noch nicht ausreichenden Erfolg in der Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Auch die repressiven Ansätze der Verkehrsüberwachung mit Geldbußen, Fahrverboten und ähnliches beschränkten sich meist auf eine zeitlich begrenzte Wirkung.
Deswegen die ständige Suche nach innovativen Ansätzen. Beim dänischen Vorbild sind es junge Frauen, die zu Schutzengeln ernannt worden sind und die entsprechenden Einfluss auf ihre Altersgruppe genommen haben. Ganz offensichtlich mit Erfolg, die Unfallzahlen gingen mit dem Projektstart deutlich zurück. In Soltau-Fallingbostel erweiterte man die Zielgruppe der Schutzengel auf alle 16- bis 24-jährigen jungen Frauen des Kreises, immerhin 7500. Mit einem Anschreiben erklärte der Landrat sie zu Schutzengeln, schickte direkt einen Schutzengelausweis mit und bat darum, die jungen Männer nicht nur vom Trinken, sondern auch vom Rasen abzuhalten. Ziel war die Verhaltensänderung der jungen Männer durch die Einflussnahme der jungen Frauen auf emotionaler Ebene. Schutzengelprojekte nutzen Erkenntnisse der Sozialwissenschaft.
Die hat festgestellt, dass die Orientierung der Altersgruppe der jungen Fahrer stärker an Menschen ähnlichem Alters angelehnt ist. Dieses Umfeld prägt auf dem Weg zum Erwachsenen am stärksten und hat einen dominierenden Einfluss. "Wir wollen nicht, dass ihr rast oder euch unter Drogen und Alkohol ans Steuer setzt", lautet die Botschaft. In Gütersloh soll diese von jungen Frauen und Männern gleichermaßen im Freundeskreis verbreitet werden. Anreize soll ein Schutzengelausweis schaffen, der auch Vorteile und Vergünstigungen mit sich bringt. "Wir sind auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen", erklärt Landrat Adenauer. "Alle sind aufgerufen, bei diesem innovativen Projekt ihren Beitrag zu leisten. Rufen sie uns an, nehmen sie Kontakt mit dem Projektteam auf." Günstigeres Einkaufen in Geschäften, Rabatte bei Eintrittspreisen und vieles mehr ist denkbar - Sponsoren, die auf dieses Weise das Schutzengel-Projekt unterstützen wollen, sind willkommen. Sie können sich unter Telefon 05241/8691100 an das Projektteam wenden. Das Projekt Schutzengel im Kreis Gütersloh soll Mitte des Jahres mit der Arbeit starten. Die Projektgruppe Schutzengel besteht aus je einem Vertreter der Abteilung Straßenverkehr des Kreises, und je zwei Vertretern der Kreispolizeibehörde und der Verkehrswacht. Sporadisch sollen darüber hinaus Vertreter der Zielgruppe teilnehmen, zum Beispiel Schulsprecher. Projektleiter ist Michael Haftmann von der Abteilung Straßenverkehr. Weitere Information zu Schutzengel-Projekten in Deutschland finden sich unter www.ichbindeinSchutzengel.de Für das Projekt vor Ort wird eine separate Internetadresse aufgebaut.

