Heiße Phase
Knapp 25.000 junge Frauen und Männer bekommen Post
Das Schutzengel-Projekt, das offiziell am 1. Juli startet, wird Mitte Mai jede junge Frau und jeden jungen Mann zwischen 17 und 21 Jahren direkt anschreiben, um sie als Schutzengel zu gewinnen. Knapp 25.000 Menschen in der Altersgruppe erhalten Post, die Briefe werden zwischen dem 20. und 24. Mai verschickt.
Da bei der gewaltigen Menge an Briefen die günstigste Verschickungsart gewählt wurde, kann es ein paar Tage dauern, bis die potenziellen Schutzengel ihr Schreiben erhalten haben: Infopost ist bis zu sieben Tagen unterwegs. "Wie wichtig es ist, uns weiter zu bemühen, die Verkehrstoten gerade in der Zielgruppe der jungen Fahrer zu reduzieren, wurde uns wieder schmerzlich vor Augen geführt", erklärte Landrat Sven-Georg Adenauer.
Von bisher elf Verkehrstoten in diesem Jahr waren sieben zwischen 17 und 25 Jahren, als sie starben. Allerdings muss einschränkend ergänzt werden, dass unter den Unfallursachen der klassische Diskounfall, der auf Drogen- oder Alkoholeinfluss zurückzuführen ist, nicht dabei war. Zu schnelle Geschwindigkeit jedoch schon.
Fehlende Fahrpraxis, erhöhte Risikobereitschaft und der Einfluss von Drogen und Alkohol führen dazu, dass der Anteil der Verunglückten unter den jungen Auto- und Motorradfahrern überproportional hoch ist. Gemeinsam wollen Kreisverwaltung, Kreispolizeibehörde und Verkehrswacht mit dem Schutzengel-Projekt die Zahl der Unfälle mit jungen Fahrern zu reduzieren. Leibhaftige Schutzengel gleichen Alters sollen dabei in ihrem Bekanntenkreis auf die Zielgruppe der 18- bis 24-jährigen Fahrer positiv Einfluss nehmen.
Das Projekt macht sich den Einfluss der Freundinnen und Freunde zunutze. Das Vorbild wurde in Dänemark entwickelt. Aber auch in Soltau-Fallingborstel hatten Schutzengel schon nachhaltigen Erfolg. In NRW ist der Kreis Gütersloh der erste Kreis, der ein vergleichbares Projekt gestartet hat. Hans-Dieter Malsbender, Fachbereichsleiter Gesundheit und Ordnung, hatte die Idee importiert, die im Kreis Gütersloh leicht abgewandelt umgesetzt wird. Ziel ist es, die Zahl der verunglückten 18- bis 24-Jährigen um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. 40.000 potenzielle Schutzengel im Alter zwischen 16 und 24 Jahren gibt es Kreis Gütersloh. Gestartet wird mit der Altersgruppe der 17- bis 21-Jährigen. Lohn der Mühen, sich als Schutzengel zu engagieren, sind in erster Linie weniger Verkehrstote unter den Gleichaltrigen.
Als besonderen Anreiz haben Schutzengel jedoch viele Vergünstigungen. Sie essen in Schnellrestaurants günstiger, erhalten verbilligte Autowäschen und Eintrittspreise sind häufig auch niedriger. Möglich machen das zahlreiche Sponsoren, von denen schon rund 80 gewonnen werden konnten.
Wenn die Schutzengel sich entschieden haben, ein solcher zu werden, müssen sie keinen Antwortbrief aufsetzen. Günter Hermann, Geschäftsführer der Infokom: "Wir sind schließlich im Zeitalter des Internets." Gerade die Zielgruppe der 17- bis 21-Jährigen lasse sich via Internet deutlich leichter ansprechen. Auf der eigens von der Infokom für das Schutzengelprojekt im Kreis Gütersloh gestalteten Internetseite, die demnächst frei geschaltet wird, können sich die Schutzengel online registrieren lassen.
So ist es auch möglich, zum Beispiel in Fahrschulen oder bei Aktionen der Verkehrswacht vor Ort eine Registrierung anzubieten. Die Infokom ist nicht nur mit der technischen Umsetzung und dem Design des Internetauftritts beauftragt worden, sondern auch mit der Adressermittlung und Verschickung der Briefe.
Zudem hat sie die Schutzengelkarte im Scheckkartenformat gestaltet und versendet diese an die jungen Frauen und Männer. Die Adressdaten aller 17- bis 21-jährigen Frauen und Männer im Kreis ermittelt die Infokom anhand der Daten der Kommunen, die allesamt ihre Zustimmung zu der Verschickungsaktion erteilt haben.
Von elf Kommunen verwaltete die Infokom ohnehin die Daten. Aus dem Datenberg galt es dann per Software diejenigen zu ermitteln, deren Geburtsdatum mit der Zielgruppe übereinstimmt - und natürlich ihre Adresse. Ständig zu erreichen ist das Schutzengel-Projekt über eine eigens geschaltete Hotline (05241/869-1100), sowohl für kommende Schutzengel, als auch für Sponsoren.

