Über 5300 Schutzengel und 150 Sponsoren

Beeindruckt zeigte sich auch Landrat Sven-Georg Adenauer über die gewaltige Resonanz bei den jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren und den Sponsoren im Kreis Gütersloh. Das zeige, dass man mit dem Projekt den richtigen Nerv getroffen habe. Immer öfter kämen auch Anfragen aus anderen Kreisen und Städten, wie etwa aus Köln.
Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: Alle jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren können sich kostenlos als Schutzengel registrieren lassen, erhalten eine Schutzengelkarte und bekunden damit die Bereitschaft, innerhalb ihres Freundeskreises dafür einzusetzen, dass niemand sich betrunken oder unter Drogeneinfluss ans Steuer setzt oder zu schnell fährt. Über ihre Erfahrungen als Schutzengel können sich die Jugendlichen auch in einem Internet-Forum austauschen. In Soltau-Fallingbostel und Dänemark, wo bereits ähnliche Projekte gestartet worden sind, haben die Schutzengel zu einem deutlichen Rückgang der Verkehrsunfälle, der Schwerverletzten sowie Verkehrstoten beigetragen. Beispiel Soltau-Fallingbostel: Statt 27 junger Todesopfer im Straßenverkehr wie in den drei Jahren zuvor, sind zwischen 2004 und 2006 "nur noch" acht junge Menschen im Straßenverkehr in dem Kreis Soltau-Fallingbostel gestorben. 19 Tote weniger als im gleichen Zeitraum ohne Schutzengel. Nirgendwo sonst in Deutschland hat es einen so deutlichen Rückgang gegeben. Hans-Dieter Malsbender: "Unser Ziel ist es, die Zahl der Verkehrstoten in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2010 um mindestens 20 Prozent zu senken." Auch die Versicherungsbranche zeigt Interesse an dem Vorreiter-Projekt auf Landesebene: ganz konkret hat sich die Westfälische Provinzial eingebracht, sie unterstützte den Druck der Schutzengelausweise finanziell.
Alle 16 bis 24-Jährigen aus dem Kreis Gütersloh können sich nach wie vor als Schutzengel registrieren lassen. Im Internet sind die Sponsoren, sortiert nach Kommunen, aufgelistet, die den Schutzengeln Rabatte in welcher Form auch immer gewähren. Weiterhin werden noch Geschäfte und Firmen gesucht, die die bereit sind, Rabatte für Schutzengel zu gewähren. Das Projekt, das Polizei, Kreisverwaltung und Verkehrswacht gemeinsam angestoßen haben, stellt sich übrigens auch im Rahmen des Tages der offenen Tür der Polizei am 24. August an der Herzebrocker Straße vor..
Als "gute Fee" im Hintergrund des Projektes "Schutzengel" agiert die 18jährige Liene Struckmeier. Sie ist aktiver Schutzengel, Studentin und gleichzeitig bei der Verkehrswacht beschäftigt. Sie kümmerte sich gerade in der Anfangsphase um die Beantwortung von mehreren hundert telefonischen und schriftlichen Anfragen der jungen Menschen zu dem Projekt.
Als Berater im Projekt und ersten Ansprechpartner für Schutzengel in Notfällen konnte die Projektleitung Dr. Christian Lüdke aus Essen gewinnen. Der Psychotherapeut ist bereit, sich ohne Entgelt im Projekt zu engagieren. Das könnte z. B. der Fall sein, wenn ein Schutzengel erfolglos versucht hat, einen alkoholisierten Freund oder Bekannten vom Fahren abzuhalten und dieser Fahrer anschließend verunglückt. Sofern ein Schutzengel in einem solchen Fall Unterstützung oder Beratung wünscht, könnte Dr. Lüdke direkt angesprochen werden und entsprechend beraten.
Dr. Lüdke ist gleichzeitig für die Projektverantwortlichen ein wichtiger Berater und Ideengeber für neue Impulse und im Umgang mit den jungen Leuten im laufenden Projekt "Schutzengel".
Eine wissenschaftliche Begleitung des gesamten Projektes - ggf. auch mit Unterstützung von Dr. Lüdke - ist angedacht.

