Schutzengel machen Werbung in Fahrschulen
Sie sind Schutzengel, aber sie wollen mehr: Neun junge Frauen und Männer zwischen 17 und 26 Jahren sind die ersten, die aktiv für das Verkehrssicherheitsprojekt im Kreis Gütersloh werben werden.
"Und wo kann man das besser machen, als da, wo man alle potenziellen Fahranfänger trifft?", fragt Polizeioberkommissar Peter Stockhecke und gibt selbst die Antwort: "In den Fahrschulen."
Mit dem regelmäßigen Besuch der 80 Fahrschulen im Kreis Gütersloh durch gleichaltrige Schutzengel tritt das Projekt in eine neue Phase. Die bisher über 6000 registrierten Schutzengel haben sich über die Internetseite oder auf Veranstaltungen registriert, viele von ihnen sind direkt angeschrieben worden. Jetzt gilt es, diejenigen zu erreichen, die in die Gruppe der jungen Fahrer reinwachsen.
Zusammen mit Norbert Fischer von der Verkehrswacht, selbst pensionierter Polizist und Fahrlehrer, schulte Stockhecke die ersten neun der Fahrschul-Engel auf dem Verkehrssicherheitsplatz der Verkehrswacht auf dem Flughafen Gütersloh. Denn neben einer theoretischen Einweisung hatten sie noch ein besonderes Bonbon für die ehrenamtlichen Helfer: Einen kleinen Ausritt in die Fahrphysik.
Das Schutzengelprojekt, gestartet Mitte vergangenen Jahres und gemeinsam getragen vom Kreis Gütersloh, der Polizei und der Verkehrswacht, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Unfallzahlen in der Gruppe der jungen Fahrer zu senken. Schutzengel sollen in ihrem Umfeld positiv Einfluss auf ihre Altersgenossen nehmen, sie dazu anhalten nicht zu schnell zu fahren, nicht unter Alkohol oder Drogen sich ans Steuer zu setzen und den Gurt anzulegen. Diese Botschaft transportiert jetzt die Gruppe der freiwilligen Schutzengel in die Fahrschulen.
Das Interesse von Seiten der Fahrschulen ist groß. "Alle Fahrschulen, mit denen ich gesprochen habe, sind davon angetan. Das ist einfach etwas anderes, wenn ihr mit den Fahrschülern redet, als wenn ich das mache", sagt der pensionierte Polizist. Die neun sollen nur der Anfang sein, das Schutzengel-Projekt braucht erheblich mehr Ehrenamtliche für die Fahrschulbesuche. Fischer: "Allein für die Stadt Gütersloh bräuchten wir rund 30 Leute." Zu zweit gehen die jungen Schutzengel in die Fahrschulen, es werden aber immer Dreier-Teams gebildet, da es immer wieder mal sein kann, dass jemand ausfällt. Für die Besuche werden die Teams mit Laptop und Beamer ausgerüstet, zum Einstieg gibt es nämlich einen kurzen Film, der auf das Thema einstimmt.
Das Schutzengel-Projektteam verspricht sich einen großen Erfolg von den Besuchen, wenngleich Stockhecke gegenüber den neun jungen Schutzengeln einräumt: "Ihr werdet nie alle belehren können. Es wird auch welche geben, die sagen: Hey, ich bin froh, dass ich meinen Lappen habe. Jetzt geht's ab."
Dass die direkte Ansprache etwas bewirkt, zeigte sich unlängst im Berufskolleg Halle/Westfalen: Dort wurde das Schutzengelprojekt 160 Berufsschülern vorgestellt. 120 haben sich sofort registrieren lassen.
Bei etlichen Sponsoren erhalten die Inhaber der Schutzengelausweise Vergünstigungen. Die ehrenamtlichen Helfer werden für ihren Einsatz zusätzlich belohnt: Für die Besuche in den Fahrschulen, Dauer etwa 15 bis 20 Minuten, erhält jedes Team pro Besuch eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro.
Jährlich können sie ein mal an einem Fahrsicherheitstraining (Wert 80 Euro) umsonst teilnehmen und sie werden zur Tourenwagen-Meisterschaft eingeladen. Wer auch zu den Schutzengeln gehören will, die in die Fahrschulen gehen, kann sich unter der Hotline 05241/8691100 melden.

